Gynäkologie und Geburtshilfe aktuell
Am 20.–21. März 2026 war ich bei der Fortbildung „Gynäkologie und Geburtshilfe aktuell" in Stuttgart. Hier finden Sie einige der Themen, die ich für Sie mitgebracht habe.
Regelmäßige Fortbildungen gehören für uns zum ärztlichen Alltag. Sie helfen uns, Sie nach dem aktuellen Stand der Medizin zu betreuen. Auf dieser Seite fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse für Sie verständlich zusammen — von neuen Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs über Wechseljahresbeschwerden bis hin zur Schwangerschaftsvorsorge.
Neuerungen in der Brustkrebstherapie
In der Brustkrebsbehandlung gibt es zwei neue Medikamentengruppen, die die Therapie in den kommenden Jahren verändern können:
- Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs): Bei dieser Therapie wird ein Antikörper — ein Eiweiß, das Krebszellen erkennt — mit einem Chemotherapie-Wirkstoff gekoppelt. Der Antikörper transportiert den Wirkstoff gezielt zur Tumorzelle und setzt ihn dort frei. Dadurch wird weniger gesundes Gewebe belastet als bei einer herkömmlichen Chemotherapie. ADCs werden derzeit bei fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.
- Orale SERDs (Selective Estrogen Receptor Degraders): Viele Brustkrebsarten wachsen unter dem Einfluss des Hormons Östrogen. Bisherige antihormonelle Therapien wie Fulvestrant mussten als Spritze verabreicht werden. Die neuen oralen SERDs können als Tablette eingenommen werden. Sie blockieren und zerstören die Östrogen-Rezeptoren der Tumorzelle — und können so das Tumorwachstum hemmen.
Für Sie relevant: Die Brustkrebsvorsorge bleibt essenziell. Durch regelmäßige Vorsorge können Veränderungen frühzeitig erkannt werden – erfahren Sie mehr in unserer Brustkrebsvorsorge.
Wechseljahresbeschwerden – Aktuelle Therapiekonzepte
Die Wechseljahre bringen bei vielen Frauen spürbare Veränderungen mit sich — Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Gelenkbeschwerden. Die Behandlung richtet sich nach der individuellen Beschwerdekonstellation:
- Hormonersatztherapie (HRT): Die wirksamste Behandlung bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Dabei werden dem Körper die fehlenden Hormone (Östrogen, ggf. Gestagen) in niedriger Dosierung zugeführt — als Pflaster, Gel oder Tablette. Ob eine HRT in Frage kommt, hängt von der persönlichen Krankengeschichte ab und wird individuell besprochen.
- Pflanzliche Alternativen: Für Frauen, die keine Hormone einnehmen möchten oder können, gibt es pflanzliche Optionen wie Traubensilberkerze (Cimicifuga) oder Isoflavone aus Soja und Rotklee. Ihre Wirkung ist schwächer als die der HRT, kann aber bei leichten Beschwerden hilfreich sein.
- Besondere Situation nach Brustkrebs: Frauen unter antihormoneller Brustkrebstherapie (z. B. Tamoxifen) dürfen keine Östrogene einnehmen. Für sie stehen nicht-hormonelle Medikamente zur Verfügung, die Hitzewallungen lindern können, ohne die Krebstherapie zu beeinträchtigen.
Für Sie relevant: Wechseljahresbeschwerden lassen sich heute individuell und wirksam behandeln. In unserer Wechseljahres-Sprechstunde finden wir gemeinsam die passende Therapie für Sie – auch ergänzend mit Akupunktur.
Sonographie in der Schwangerschaftsvorsorge
Ultraschalluntersuchungen sind ein fester Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge. Die Mutterschafts-Richtlinien sehen drei Ultraschalluntersuchungen vor — jeweils eine pro Schwangerschaftsdrittel:
- Erster Ultraschall (9.–12. SSW): Bestätigung der Schwangerschaft, Lage der Fruchtanlage in der Gebärmutter, Herzaktion des Kindes und Festlegung des voraussichtlichen Geburtstermins anhand der Scheitel-Steiß-Länge.
- Zweiter Ultraschall (19.–22. SSW): Beurteilung der kindlichen Entwicklung — Kopf, Bauch, Oberschenkelknochen werden vermessen. Lage der Plazenta (Mutterkuchen) und Fruchtwassermenge werden geprüft. Auf Wunsch ist eine erweiterte Organdiagnostik (Feinultraschall) möglich.
- Dritter Ultraschall (29.–32. SSW): Wachstumskontrolle und Lagebestimmung des Kindes. Beurteilung der Plazentafunktion und der Fruchtwassermenge — wichtig für die Geburtsplanung.
Für Sie relevant: Wir bieten Ihnen Ultraschalldiagnostik nach aktuellsten Standards – erfahren Sie mehr in unserer Schwangerschaftsvorsorge.
Endometriose in der Peri- und Postmenopause
Endometriose ist eine Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst — etwa an den Eierstöcken, im Bauchfell oder an der Blase. Typische Beschwerden sind starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und unerfüllter Kinderwunsch. Was viele nicht wissen: Endometriose kann auch in und nach den Wechseljahren eine Rolle spielen.
- Auch nach den Wechseljahren möglich: Obwohl die Beschwerden mit dem Ausbleiben der Regelblutung oft nachlassen, kann Endometriose unter Hormonersatztherapie wieder aufflammen. Der Grund: Das zugeführte Östrogen kann vorhandene Endometrioseherde erneut aktivieren.
- Symptome werden oft fehlgedeutet: Unterbauchschmerzen nach den Wechseljahren werden häufig anderen Ursachen zugeschrieben — etwa dem Darm oder der Blase. Eine gezielte gynäkologische Untersuchung kann Klarheit schaffen.
- Individuelle Therapie: Die Behandlung muss sorgfältig abgewogen werden: Beschwerden lindern, ohne das Risiko einer erneuten Aktivierung zu erhöhen. Dafür stehen verschiedene Optionen zur Verfügung — von Schmerztherapie bis zu operativen Maßnahmen.
Für Sie relevant: Auch in und nach den Wechseljahren können Unterbauchbeschwerden auf Endometriose hinweisen. Sprechen Sie uns an – wir klären Ihre Beschwerden sorgfältig ab. Mehr erfahren Sie auf unserer Endometriose-Seite.
Sexuelle Gesundheit in der Menopause
Mit den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt — und das kann sich auch auf die sexuelle Gesundheit auswirken. Viele Frauen sprechen diese Beschwerden nicht von sich aus an, obwohl es wirksame Behandlungsmöglichkeiten gibt:
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): Durch den sinkenden Östrogenspiegel wird die Scheidenschleimhaut dünner und trockener. Das kann zu Beschwerden beim Geschlechtsverkehr führen. Lokale Östrogenpräparate (als Creme oder Zäpfchen) können die Schleimhaut wieder aufbauen und die Beschwerden deutlich lindern.
- Nachlassendes sexuelles Verlangen: Ein vermindertes sexuelles Interesse in den Wechseljahren hat häufig mehrere Ursachen — hormonelle Veränderungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder partnerschaftliche Faktoren. Ein offenes Gespräch mit Ihrer Ärztin ist der erste Schritt, um gemeinsam eine Lösung zu finden.
- Was hilft: Neben lokalen Hormonen können Feuchtigkeitsgele, regelmäßige Beckenbodenübungen und — in bestimmten Fällen — eine systemische Hormontherapie die Beschwerden verbessern.
Für Sie relevant: Sprechen Sie uns vertrauensvoll an – sexuelle Gesundheit ist ein wichtiger Teil Ihres Wohlbefindens. In unserer Hormonsprechstunde beraten wir Sie individuell.
Rezidivierende Harnwegsinfektionen
Wiederkehrende Blasenentzündungen betreffen viele Frauen — besonders in den Wechseljahren. Nicht jede Blasenentzündung muss mit Antibiotika behandelt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Infektionen vorzubeugen und die Behandlung gezielter zu gestalten:
- Vorbeugende Maßnahmen: Ausreichend trinken (mindestens 1,5 Liter am Tag), zeitnahes Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr und der Verzicht auf übertriebene Intimhygiene können das Risiko senken. Ergänzend können pflanzliche Präparate und D-Mannose (ein natürlicher Zucker, der Bakterien in der Blase bindet) unterstützend wirken.
- Gezielte Antibiotika-Therapie: Wenn Antibiotika nötig sind, sollte die Behandlung möglichst gezielt erfolgen — also nach Erregerbestimmung aus einer Urinkultur. So wird das richtige Medikament gewählt und die Entwicklung von Resistenzen vermieden.
- Schleimhautschutz in den Wechseljahren: Nach den Wechseljahren wird die Schleimhaut im Intimbereich und in der Blase dünner und anfälliger für Infektionen. Eine lokale Behandlung mit Östrogen (als Creme oder Zäpfchen) kann die Schleimhaut wieder aufbauen und das Infektionsrisiko deutlich senken.
Für Sie relevant: Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen beraten wir Sie zu vorbeugenden Maßnahmen – auch ergänzend mit ganzheitlichen Therapieansätzen.
Gynäkologische Onkologie – Updates
Die Behandlung gynäkologischer Krebserkrankungen wird zunehmend individueller — Entscheidungen basieren immer häufiger auf den biologischen Eigenschaften des Tumors statt auf pauschalen Therapieschemata:
- Brustkrebs: Nicht jede Patientin mit Brustkrebs benötigt eine Chemotherapie. Mithilfe spezieller Gewebeuntersuchungen (z. B. Oncotype DX) lässt sich heute feststellen, ob der Tumor auf eine Chemotherapie anspricht oder ob eine alleinige Hormontherapie ausreicht. Das erspart vielen Frauen eine belastende Behandlung mit vergleichbaren Heilungschancen.
- Eierstockkrebs: Bei bestimmten erblichen Formen von Eierstockkrebs (z. B. bei Veränderungen in den BRCA-Genen) können sogenannte PARP-Hemmer nach einer Chemotherapie eingesetzt werden. Sie hemmen einen Reparaturmechanismus in der Tumorzelle und können so das Wiederauftreten der Erkrankung hinauszögern. Für Familien mit gehäuftem Auftreten von Eierstock- oder Brustkrebs kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.
- Gebärmutterkörperkrebs: Dieser Krebs entsteht in der Schleimhaut der Gebärmutter und wird meist durch eine ungewöhnliche Blutung — insbesondere nach den Wechseljahren — bemerkt. Neue Untersuchungsmethoden erlauben es, den Tumor genauer einzuordnen und die Behandlung darauf abzustimmen. Bei bestimmten Tumorformen kann eine Immuntherapie eine wirksame Ergänzung zur Operation sein.
Für Sie relevant: Regelmäßige Vorsorge ist der beste Schutz. In unserer gynäkologischen Vorsorge untersuchen wir Sie nach aktuellsten Leitlinien.
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